Die heiße Schwester der Erde

Suche nach Vulkanausbrüchen
Die Sonde ,,Venus Express'' der europäischen Raumfahrtagentur ESA startete am 9. Nov. 2005 vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus ins All. Die Reise zur Venus wird rund 150 Tage dauern. Von den sieben Instrumenten an Bord haben die Forscher drei von der erfolgreichen ESA-Mission ,,Mars Express'' zum roten Planeten abgekupfert, drei weitere stammen von der Sonde ,,Rosetta'', die zurzeit zum Kometen Churyumw Gerasimenko unterwegs ist. 220 Millionen Euro hat die ESA in die Mission investiert.
Die Spektrometer an Bord der Sonde messen zum Beispiel Spurengase wie Schwefel- und Stickstoff-Oxid in der Atmosphäre. Aus der Konzentration in der Atmosphäre will man erfahren, ob in jüngerer Vergangenheit Vulkane diese Substanzen in die Venusluft geblasen haben. Damit aber könnte ein weiteres Geheimnis der Venus gelüftet werden. Dort bewegen sich keine Platten wie auf der Erde über die Oberfläche. Diese Plattentektonik aber lässt in irdischen Gefilden häufig Vulkane aufbrechen. Glutflüssige Lava aber transportiert gleichzeitig Hitze aus dem Erdinnern nach außen, die durch Radioaktivität entstanden ist.
Auf der Venus wurde zwar vor 5 oder 6 hundert Millionen Jahren die Oberfläche durch Vulkanausbrüche unvorstellbaren Ausmaßes völlig umgestaltet. Ob es aber heute noch ab und zu Eruptionen gibt oder ob sich die Oberfläche vielleicht nur alle paar hundert Millionen Jahre einmal "umstülpt", weiß niemand. Neben den Spurengasen aus Vulkanausbrüchen können die Instrumente von "Venus Express" aber auch Lava direkt nachweisen. Mit 1200 und mehr Grad ist sie schließlich deutlich wärmer als die 500 Grad heiße Venusoberfläche.
An diese Hitze und die hohe Sonneneinstrahlung in der Umgebung mussten die Ingenieure im bayerischen Ottobrunn auch die Solarzellen anpassen, die "Venus Express" mit Strom versorgen. Das 850 PS starke Triebwerk der Sonde ist nicht größer als ein Schuhkarton. Nach dem Start in der kasachischen Steppe gleitet die Sonde zwar erst einmal ohne jeden Antrieb in Richtung Venus. Dort angekommen aber muss das in Deutschland entwickelte Triebwerk "Venus Express" kräftig abbremsen, damit das Gerät nicht weiter in Richtung Sonne stürzt, sondern eine Umlaufbahn um die Venus einschlägt.
Bearbeitung: Fabian Bungarz