Die "Rundschau"-Internet-Rallye für Schüler geht mittlerweile in die dritte Runde

Datenjagd im Klassenzimmer

Von Christoph Lumme

Ruckelnd baut sich die Pyramide am Bildschirm auf, während Dominik Bind genervt die Augen verdreht. Nein, ins Land der Pharaonen wollte er doch gar nicht. Ohne Zweifel: Der 16jährige ist auf dem Holzweg. Mit einem Mausklick verschwindet die Pyramide wieder, und die Homepage des "Deutschen Technik Forums" nimmt Gestalt an. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist knifflig: "Das Deutsche Technik Forum bietet z.B. Diskussionsforen und aktuelle Informationen zu zwei Fachgebieten. Welche sind das?"

Es ist Montag, kurz nach 10 Uhr, und im Computerraum der Kölner Eichendorff-Realschule surren die Festplatten. Der Informatikkurs des Jahrgangs 10 befindet sich in der dritten Runde der Internet-Rallye im Web-Bewerb, den die "Rundschau" für Schulen in ihrem Verbreitungsgebiet ausrichtet. Dominik Bind und 13 weitere Schüler surfen an diesem Morgen durchs Internet, um Antworten auf die sechs Fragen der aktuellen Rallye-Runde zu finden. Jede Lösung wird dokumentiert und auf elektronischem Weg weitergeleitet an Hans-Dieter Kühlem. Der 15jährige sammelt die gelösten Aufgaben in einem Verzeichnis, leitet sie am Ende der Sitzung dann online weiter zur "Rundschau"-Jury.

Aber soweit ist er noch nicht. Derzeit hat er andere Sorgen, denn er tüftelt an einem Problem: "Wie heißt das Werk aus Stücken der Berliner Mauer, das der amerikanische Künstler Dennis Oppenheim 1996 in der Ausstellung ,30 Künstler für Freiheit' in Lyon präsentierte?" Auch er verirrt sich zunächst im Netz. "Path-Finder - Landing on Mars" ist da zu lesen, während am oberen Rand des Bildschirms farbenfrohe Werbebotschaften vorüberziehen: Lotto im Internet, ein Flirt-Forum, Clownsgesichter. Doch das nächste Stichwort bringt den Volltreffer. Geschafft. Überhaupt ist der Realschüler heute bester Laune, denn es läuft vielversprechend: "Vier Antworten sind schon im Verzeichnis angekommen, die restlichen zwei knacken wir auch noch."

So zügig klappte es bei der zweiten Runde nicht. "Vor allem eine Aufgabe hat uns lange auf Trab gehalten", sagt Ruth Menzel. Seit zehn Jahren kümmert sich die Informatiklehrerin um die Computerbelange der Schule. Wenn es um die Homepage geht, um das Programmieren von Software oder einfach um den "Absturz" einer Festplatte, ist ihr Experten-Wissen gefragt. Technisch hat die Eichendorff-Schule in diesem Jahr kräftig aufgerüstet. Während den Schülern noch bei der ersten Internet-Rallye im vergangenen Jahr lediglich ein PC mit Internetzugang zur Verfügung stand, kann heute an zwölf miteinander vernetzten Geräten gearbeitet werden.

Noch sind die meisten Schüler zuhause nicht "online", können ihren detektivischen Spürsinn im Cyberspace lediglich im Klassenzimmer trainieren. Hans-Dieter Kühlem, gemeinsam mit Dominik Bind zuständig für die Homepage-AG, wartet sehnsüchtig auf seinen eigenen Anschluss. Dominik indes surft schon seit längerem durchs Internet. Im kommenden Jahr, nach dem Schulabschluss, will er dann sein Hobby zum Beruf machen - mit einer Lehre als Einzelhandelskaufmann im Computerhandel.

Die Zeiten der Pionierarbeit gehen an der Eichendorff-Schule langsam zu Ende, immer häufiger wird die Fahrt auf der Datenautobahn zum Unterrichtsalltag. Technische Berührungsängste gibt es nach Beobachtung von Schulleiter Wolfgang Biederstädt kaum noch - zumindest nicht bei den Jugendlichen. "Wir Lehrer tun uns da schon schwerer", sagt er. Doch das Erlernen der Technologie hält er ohnehin eher für eine Voraussetzung, nicht aber für die Schlüsselqualifikation des Medienzeitalters. "Die Flut an Informationen kann den Internet-Benutzer leicht überwältigen", betont er, "es geht darum, auf dem schnellsten Weg die jeweils gesuchten Daten zu ermitteln."

Als besonders findige Datendetektive hätten sich Schülerinnen erwiesen, meint Biederstädt. "Die Jungen sind in der Regel noch begeisterungsfähiger für die Technologie, aber gerade beim inhaltlichen Umgang mit dem Medium beweisen Mädchen oft ausgesprochenes Fingerspitzengefühl." Dennoch bleiben die Quoten eindeutig: Nur zwei Mädchen der Jahrgangsstufe 10 haben den Neigungskurs Informatik gewählt, ihnen stehen zwölf Jungen gegenüber.

In diesem Jahr haben wir den 16.Platz belegt