2. September 2005
Der Kölner Autor Egon Netenjakob hatte das Projekt initiiert. Das ungewöhnliche Denkmal wurde im El-De-Haus aufgehängt.
Die Kinder haben bewegende Worte auf ihre Karten geschrieben. „Ihr werdet nie in Vergessenheit geraten“, so erinnern sie an Aron Seligmann und alle anderen Arons. Und an einen Bruno gerichtet heißt es: „Er erreichte nicht einmal das 11. Lebensjahr.“ 1000 Schüler aus Köln und Umgebung erinnern auf besondere Weise an 1100 jüdische Kinder und Jugendliche, die von den Nazis in Konzentrationslagern ermordet wurden. „Viele waren damals so alt wie wir heute“, sagt Felix Puhle (13) leise.
Die jungen Leute aus über 50 Schulklassen folgten einer Initiative des Kölner Autors Egon Netenjakob und seiner Frau Doris. Der 70-Jährige ließ sich durch den „Kinderbrunnen“ auf dem Erich-Klibansky-Platz zu einer ungewöhnlichen Aktion inspirieren. Hinter dem ehemaligen Kreishaus in der St.-Apern-Straße liegt der Platz, der nach dem Rektor des jüdischen Gymnasiums benannt ist. Netenjakob notierte von der Brunnen-Plakette Namen und Vornamen der NS-Opfer und schaute obendrein in einem alten Gedenkbuch nach. Mit Hilfe der „Bürgergemeinschaft Rathenauplatz“ ließ er von den Schülern eine drei mal 2,50 Meter große Tafel mit 324 bunten Papp-Karten gestalten - ein Denkmal besonderer Art, das jetzt in einem kleinen Raum im El-De-Haus aufgehängt wurde.
Die Schüler malten Friedenssymbole auf ihre Karten, Wolken, den Himmel, die Sonne und Sterne, Regenbögen, Kerzen und den Davidstern, Namen der Opfer und kurze Erklärungen fügten sie hinzu. Johanna Weiden (13) findet diese Art des Gedenkens wichtig. „Es ist schlimm, dass heute Kinder Krieg spielen.“ Davide Gigliu (15) sowie Ena Adulovic (15) sprechen über ihre Trauer, und Jana Pieplow (19) malte einen Weg, „aus dem es kein Entrinnen“ gibt. „Alle könnten heute noch leben“, stellte Egon Netenjakob erschüttert fest, bevor Werner Jung, Leiter des NS-Dokumentationszentrums, die Tafel offiziell entgegennahm.
Bearbeitung: Mathias Brohl