Schüleraustausch
Annäherungsversuch
Jahrhunderte lang lebten französische und deutsche Jugendliche
auf beiden Seiten des Rheins. Auf einem großen Teil seines
Laufes trennte er Franken und Alemannen: Les
Francais et les Allemands.
Politisch verführt, erzählte man ihnen jahrzehntelang nur von
"Franzmännern" und "Boches". Und doch gab es
immer wieder zaghafte Versuche der Annäherung, die trotz der
drei großen letzten kriegerischen Auseinandersetzungen zu ersten
Begegnungen mit den jeweiligen Sprachen und zahlreichen
Freundschaften führten, wie schon die Schulchronik
aus dem Jahr 1932 beweist. Doch mit welchen Methoden lernten
Generationen von Schülerinnen und Schülern Französisch vor
hundert Jahren und bis weit in die 50er Jahre?
Vielleicht kennt jemand den konjugierenden Deutschen. Er
erscheint in einem Café auf den Champs-Elysees. Er lauscht den
anwesenden Franzosen und beginnt, sobald er ein Verb vernommen
hat, mit lauter Stimme zu konjugieren: "A ces mots,
l'etranger commence a reciter - Je choisis... tu choisis, il
choisit... Marcel dit a sa soeur - Tu entends?... J etends, tu
entends,...." Auf die verärgerte Reaktion der Gäste hin
erklärt er, sein Lehrer habe ihm zu diesen Verfahren geraten,
weil es die beste Methode sei, eine Fremdsprache zu lernen.
Noch im Jahre 1957 - ich war damals in der Untertertia des
Gymnasiums (heute Klasse 8) - lernten wir Französisch auf diese
Weise.
War es nicht kurios? - Im
Gastland, dessen Sprache er lernt, erscheint der Besucher als
komische Figur, erregt Anstoß und Ärger oder Belustigung. Auf
diese Weise wird die komische Geschichte zu einer traurigen. Der
Deutsche spricht Französisch (umgekehrt gilt dies ebenso), er
spricht in Frankreich, aber er spricht nicht
mit Franzosen.
Doch mit Franzosen sprechen, genau dies hatte sich im Jahre 1983 eine Gruppe von 17 Schülerinnen und Schülern einer Klasse 9 unserer Schule wild entschlossen vorgenommen. Man wollte Französisch authentischer lernen. Am 7. Mai startete diese Gruppe für zwei Wochen zum großen Abenteuer "1. Schüleraustausch" .
Wohin? Nach Charmes.
Wo? In Lothringen.
An einen Fluss? Mosel.
In eine Schule? College Maurice Barres.
In Familien? Natürlich.
Wieder kannten und kennen die Korrespondenten weder Stadt noch Schule oder die jeweiligen Familien. Das Abenteuer setzt sich fort. Möge es zunächst wenigstens bis zum 20. Jubiläumsaustausch im Jahre 2002 weitergehen!
Bernd-Wolfram Vierkotten, Leiter des Austausches
Bearbeitung : Filip Okonski